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Donnerstag, 17. September 2015

Sew a Smile :-)

oder: Wie nähen mich noch glücklicher macht.


Schon hier schrieb ich, dass mich, wie wohl die meisten, das Schicksal der Flüchtlinge sehr beschäftigt. 

So kommt es denn auch, dass ich auf eine leicht diffuse Art mit einem Wort hadere, dass derzeit ständig in der Presse und in den Medien zu hören, bzw. zu lesen ist. Das Wort Willkommenskultur. Deutschland hat nun also eine Willkommenskultur. Aha. Ist es eine besondere (da stets hervorgehobene) Kultur, Menschen, die in Not sind, die Hilfe brauchen, Willkommen zu heißen? Oder ist es die Normalität, nein, halt, sollte es nicht das Normale, das Menschliche sein, Mitmenschen, denen es fraglos schlecht geht, zu helfen. Wenn es also doch normal sein sollte, aus welchem Grund wird es als besondere Kultur so hervorgehoben. Ich verstehe es natürlich sehr wohl und stelle diese Fragen auch mehr provokativ. Dennoch empfinde ich das Wort als nicht 100% richtig. Denn durch dieses Hervorheben von Hilfsbereitschaft, von Menschlichkeit wird es nicht mehr als selbstverständlich wahrgenommen. Und wenn es nicht mehr selbstverständlich ist, bringen wir die Menschen, die nun hilfesuchend zu uns kommen, in die Situation, sich bedanken zu müssen, vielleicht sogar zu dem Gedanken, uns Helfenden etwas schuldig zu bleiben. 

Dieser Gedanke kam bei mir zum ersten Mal in der vergangenen Woche auf. 
Meine kleine Tochter hat seit Ende der Kitaferien zwei neue Freunde, zwei Jungen, die kurz vor der Sommerschließzeit in ihre Kita kamen. 
Und diese beiden Jungen kommen aus Syrien. Sie sind vor ca. 8 Wochen nach fünfmonatiger Flucht mit ihrem Vater in Berlin angekommen und wohnen in einer "Erstaufnahmeeinrichtung für erwachsene Flüchtlinge und deren Familien im Sachleistungsbezug", dem so genannten Refugium der AWO.

Natürlich sprechen die beiden Jungen und ihr Vater kaum Deutsch, so dass es aufgrund der Verständigungsprobleme nicht so einfach war, dem Vater mitzuteilen, dass meine Tochter gerne mit seinen Söhnen bei uns zuhause spielen wolle. Dank der unbürokratisch handelnden und sehr hilfreichen Kitaleitung und ErzieherInnen unserer Kita klappte dann alles sehr unproblematisch (ich empfehle mal den Google-Übersetzer. Der mag zwar seine Macken haben, doch zumindest klappen einfache Mitteilungen offensichtlich ganz gut). Der Tag mit den beiden war für uns alle sehr schön, alle drei Kinder haben fröhlich und ganz und gar ohne Streit miteinander gespielt. Kurz: Es war ein ganz normaler Tag mit Besuchskind! (Abgesehen davon, dass es bei anderen Kindern häufiger zu kurzfristigen Differenzen kommt). Abends brachte ich die beiden Jungen zurück und der Vater bedankte sich nahezu unentwegt, gab mir für meine Tochter Süßigkeiten mit und versicherte mir, wie glücklich er sei, dass ich die beiden Jungen mitgenommen hatte. Er war so dankbar, dabei hatte ich etwas ganz normales getan: Ich hatte zwei Freunde meiner Tochter mit zu uns genommen. 

Die beiden Jungen kommen morgen wieder und wir alle freuen uns. Ja, wir alle, denn auch ich freue mich, weil die beiden so tolle Kinder sind und meine Tochter sich freut. Und doch bedankte sich der Vater wieder so oft, dass es mir schon unangenehm war. 
Wie kann ich ihm das Gefühl nehmen, mir dankbar sein zu müssen? 
Wie kann ich auf Augenhöhe mit ihm bleiben?
Und wie kann ich helfen, ohne ihm das Gefühl von Almosen und der damit verbundenen Notwendigkeit der Dankbarkeit zu vermitteln?

Und wegen all' dieser Dinge, weil ich eben sehe, wie unangenehm es einigen (sicherlich vielen) ist, unsere Hilfe in Anspruch nehmen zu müssen, mag ich nicht von einer Willkommenskultur sprechen. Wir heißen die Menschen Willkommen, helfen ihnen und handeln menschlich.

Und nun - langer Rede kurzer Sinn - freue ich mich, etwas gefunden zu haben, wie ich helfen kann, ohne dass irgendwelche Termine mit Familienterminen kollidieren.

Nici Augustin hat auf ihrem Blog eine schöne Idee gehabt, die mich begeistert hat. Sie hat initiiert, Beutel, so genannte Smile Bags zu nähen. Diese können mit einer Kordel verschlossen und auch als Rucksack getragen werden. Gefüllt werden sie dann, wie ich es verstanden habe, mit unterschiedlichen Hygieneartikel. Diese Beutel wird es in groß und in kinderklein geben. 
Mit der Begeisterung bin ich nicht alleine: Bisher 1862 sind ebenfalls der Meinung, dass diese Idee nicht nur toll, sondern auch realisierbar ist. 
1862 Mitglieder hat inzwischen ihre Facebook-Gruppe Sew a smile, und es werden sicherlich noch mehr werden. Ich gehöre dazu. Und was soll ich sagen: Das Nähen der Smile-Bags macht süchtig. Allein der Kordel- und Stoffmangel konnten mich heute ausbremsen. 
Als ich in der Facebook-Gruppe postete, dass ich, als reine Mädchenmutter, nur noch sehr femine Canvasstoffe hätte, meldeten sich gleich mehrere Teilnehmerinnen, sie hätten noch Stoffe, die sie mir zusenden könnten. Keine Kordel mehr vorhanden? Kein Problem, senden wir mit. Wobei ich unbedingt hinzufügen möchte, dass sehr viele Kordeln von Alles für Selbermacher gespendet werden. Inzwischen nähen allerdings so viele an den Smilebags, dass Nadine Masuhr von Alles für Selbermachen mit den Kordeln kaum noch nachkommt. Kaum stehen sie im Netz, schon sind sie weg. Und anders, als das bei manchen begehrten Stoffen der Fall ist, bin ich nicht genervt, denn ich weiß, dass, wenn auch nicht ich, so doch andere nun weitere Smilebags nähen.

Mein Resümee ist, dass Helfen verbindet. Jeder ist willkommen, einer hilft dem Anderen, alle verfolgen ein gemeinsames Ziel. Natürlich können wir damit nicht die Welt retten, den Flüchtlingen Sicherheit bieten, doch was wir vielleicht damit schaffen, ist, den Menschen, die zu uns kommen, etwas Schönes in ihren Alltag zu bringen (denn wer möchte gerne seine Hygieneartikel in einer Plastiktüte aufbewahren) und ihnen zu verstehen zu geben, dass wir helfen wollen und helfen können.




Sonntag, 13. September 2015

Siebensachensonntag im Herbstsonnenschein

Wie in jeder Woche sammelt Anita von Grinsestern sieben Sachen, die man am Sonntag mit seinen Händen gemacht hat. Wie lange es gedauert hat, ist dabei egal.

Mein Morgen begann sehr früh. So kam es, dass ich am Vormittag bereits einiges erledigen konnte, womit ich gestern begonnen hatte.

1. Ich nähte nämlich die Sweathose, die ich gestern bereits zugeschnitten hatte. Bevor ich mich ans Nähen machen konnte, musste ich zunächst alle benötigten Maschinen umfädeln, da ich applizieren (Nähmaschine), dehnbare Materialien, also Sweat vernähen (Overlock) und die Nähte covern (Covermaschine) wollte.



2. Ich bin eine Mädchenmutter und nähe am liebsten typische Mädchensachen mit Tüddelkram, Bändern, Schleifchen usw. Aus diesem Grund ist es für mich immer ein wenig ungewohnt, reine Jungenkleidung  zu nähen. 
Da ich die Nähte covern wollte, die Covermaschine und ich aber ein etwas angespanntes Verhältnis zueinander haben, war ich umso erleichterter, dass alles so gut geklappt hat. 
Und schließlich war ich mehr als zufrieden mit dem Ergebnis und finde die Hose sogar richtig schön.



3. Da ich noch im "Räuberzivil" genäht hatte, musste ich mich vor dem Verlassen der Wohnung erst einmal ein wenig aufhübschen. Lust hatte ich keine große, aus diesem Grund wurde gepfuscht. Und dann ging es hinaus in den schönen Spätsommer- / Herbstnachmittag.




4. An diesem Wochenende liefern die Straßenfeste eine Art Staffellauf. Das gestrige Straßenfest wird abgelöst vom Straßenfest der evangelischen Gemeinde. 




5. Eigentlich benutzt man bei einer Turmbesteigung eher die Füße, doch bei diesem Kirchturm war gutes Festhalten überlebenswichtig. Nach der sehr engen Wendeltreppe kamen viele, viele Holzstiegen mit einem Geländer, das diesen Namen kaum verdiente. Würde dort ein kleines Kind ausrutschen, könnte es leicht passieren, dass es durch das Geländer direkt den ganzen Turm bis nach unten hinunterfiele. Das war mir viel zu gefährlich, also blieb ich, trotz kindlichen Protests, mit ihr auf halber Höhe stehen.






6. Und das war nicht nur aus einem gewissen Überlebenswillen heraus gut, nein, so konnten wir die Kindervorführung "Die Orgelmaus" anschauen und kamen in den Genuss, großartigster Orgelmusik. Sowohl die Kantorin als auch die beiden Mäuse hatten offensichtlich Spaß dabei, den Kindern viele Fakten über die Orgel spielerisch nahezubringen. Und die Erwachsenen wurden abschließend mit Bachs wohl berühmtesten Orgelwerk, der Toccata e fuge d-Moll, belohnt - die Kinder hingegen mit einer "Orgelmaus-Urkunde".



Natürlich wäre es ein berechtigter Einwand zu sagen, nicht wir, sondern die Organistin hätte ihre Hände gebraucht. Stimmt. Und auch wieder nicht. Denn wir nutzten sie, um begeistert zu applaudieren.




7. Wieder zuhause angekommen, ging die Tochter ins Prinzessinenbad. Das passt insofern zum aktuellen Tagesgeschehen, als die von uns belauschte Orgel einst ein Geschenk für eine Prinzessin war. 
Für meine Tochter steht nach diesem Besuch fest: Eines ihrer Babys wird einmal Organistin werden. Sie selbst würde hingegen lieber Prinzessin werden.








Samstag, 12. September 2015

12 von 12 im September

12 von 12 - gesammelt von Caro von Draußen nur Kännchen, wurde heute bei allerschönstem Spätsommer(Herbst?-)Wetter von mir gesammelt. 


Erste Aktion des heutigen Tages war eine Wetterüberprüfung mit dem ersten Kaffee am geöffneten Fenster. Noch sieht es ja nicht so schön aus.


Ziemlich bald darauf setzte ich mich an die Nähmaschine, ob eine weitere Kundenbestellung - ein Kleid fertig zu stellen. Hier beziehe ich gerade einen Knopf mit passendem Stoff. Ich weiß nicht, irgendwie stelle ich mich dabei immer sehr ungeschickt an - ich glaube auch nicht, dass es üblich ist, dafür einen Hammer zu benötigen.

Da die Kundin ein identisches Kleid wie ein bereits existierendes haben wollte, lediglich in einer anderen Größe, musste ich ein Häkelblümchen herstellen. Das"Original" ist ein gekauftes Häkelblümchen, aber ich habe mich gefreut, dass meine Handarbeit sehr nah an das Original kommt.

Und dann ist es endlich fertig. Zusammengelegt und mit Stempel versehen, wartet es jetzt auf seine neue Besitzerin, die hoffentlich ganz viel Freude mit dem Kleid haben wird.


Und weil ich gerade so schön dabei war, habe ich mich hingesetzt und etwas erledigt, was ich noch weniger mag, als Knöpfe beziehen: Schnittmuster zusammenkleben. Da ich das Übertragen von Schnittmustern allerdings noch unerfreulicher finde, bleibe ich ein Fan von Ebooks.



Nach so viel Effizienz habe ich mich mit der kleinsten Tochter auf ein Familienfest im hier gelegenen kleinen Park gemacht. Es ist wirklich überraschend: Dieses Fest findet jedes Jahr am 2. Septemberwochenende statt, und noch nie hat es an diesem Tag geregnet. 

Das Fest mit Flohmarkt war wie in jedem Jahr sehr schön und meine Tochter konnte nicht nur viel mit ihrer Freundin auf den dortigen Spielplätzen spielen, sondern sich auch zum ersten Mal etwas von ihrem eigenen gesparten Geld kaufen. Sie war sehr stolz!



Um 18.30 Uhr ging es nach fünf Stunden mit dem Fahrrad wieder nach Hause. 



Zuhause angekommen, musste ich noch einmal einkaufen, sonst hätte ich morgen früh keinen Kaffee gehabt. Und wenn ich schon einmal einkaufen bin, kann ich auch gleich eins meiner Grundnahrungsmittel mitbringen: Schokolade!


Und ein paar Blumen, bzw. eine Herbstaster im Topf habe ich ebenfalls mitgenommen. Zwar sind das natürlich eigentlich Gartenblumen, doch ich finde sie auch in der Wohnung sehr schön. Mal sehen, ob sie auf direktes UV-Licht verzichten können.



Morgen Vormittag werde ich noch eine bestellte Jungenhose nähen müssen und so habe ich die Hose des heute zusammengeklebten Schnittmusters zugeschnitten.




Und - zum Ausklang des Tages - gönne ich mir mein erstes Glas Federweißer, der noch seeehr süß ist




und schaue dabei "Dirty Dancing". Zum wievielten Mal wohl? Ich weiß es nicht. Dabei mag ich den Film noch nicht einmal besonders...



Das war mein heutiger Tag, den ich in der Tat recht bald beenden werde. Da ich in der vergangenen Nacht bis 3.00 nachts wach lag und über dieses und jenes sinnierte, werde ich mich heute einmal um den angeblich gesünderen Schlaf vor Mitternacht bemühen.

Ich wünsche allen ein schönes Wochenende, bevor ich mich jetzt zu Draußen nur Kännchen verlinke.

Donnerstag, 10. September 2015

Rums mit Katze

und Küchenfotos


Heute kommt ein RUMS, der längst überfällig ist und aus diesem Grund auch gepostet wird, auch wenn die Fotos sicherlich qualitativ nicht überzeugen können. Aber so ist das eben, wenn ich denke, die Fotos können mal schnell, schnell an einem trüben Nachmittag in der Küche gemacht werden. Nun hoffe ich, dass die Katze ein wenig von den Defiziten ablenken kann. Sei's drum, denn die Kleidung hatte ich bereits hier schon einmal angekündigt. Tja, das hätte schön sein können, denn an dem Tag schien die Sonne...



Diesen Rock habe ich nach Schnabelinas Röckli genäht, aus Stoff vom Stoffmarkt. Der Rock ist mir leider etwas kürzer geraten, als ich es ursprünglich vorhatte.



Die nicht vorhandene Länge des Rockes ist sicherlich mitverantwortlich für einen mir sehr peinlichen Moment, den ich an einem windigen Sommertag erlebte. So peinlich, dass ich unmittelbar danach meinem Mann die Botschaft überbrachte, wir müssten aus unserem Stadtteil ausziehen. An diesem Sommertag nämlich wehte der Wind so unglücklich unter meinen Rock, dass dieser Marilyn-Monroe-mäßig nahezu senkrecht hochflog und ich meine Einkaufstaschen abstellen musste, um ihn irgendwie bändigen zu können. Also so richtig hoch. Nicht nur ein wenig, nein, ganz und gar hoch! 



Bevor ich nun also diesen Rock anziehe, schaue ich immer den Wetterbericht an, um ihn nur noch an windstillen Tagen auszuführen. Schade, eigentlich.


Den Pulli hatte ich schon vor längerer Zeit genäht, nach der Tunika von Ki-ba-doo. Da ich Ausschnitte ohne Schrägband so ungern versäubere, habe ich kurzerhand eine elastische Rüsche eingenäht, und mir gefällt dieser Effekt.



Die Blume habe ich nach irgendeiner Internet-Anleitung. Woher, habe ich leider vergessen, es ist wie gesagt schon ein wenig länger her.

Jetzt werde ich einmal schauen, ob es schon viele herbstlich anmutende RUMSe gibt und mich dann ein wenig inspirieren lassen.

Sonntag, 6. September 2015

Siebensachensonntag bei Regen...

... und Sturm.


Aus diesem Grund war eine der ersten Aktionen das Anzünden einiger Kerzen. 

So sehr ich prinzipiell ein Sommerkind bin, so sehr mag ich den Wechsel der Jahreszeiten. Und zu den dunkleren Jahreszeiten gehört für mich definitiv Kerzenlicht. Und zwar Licht so vieler Kerzen, dass ich beschuldigt werde, Verursacherin dunkler (d.h. verrußter) Tapeten zu sein.



Bei dem Wetter, das draußen herrscht kann ich mir kaum vorstellen, dass wir hier in Berlin noch vor weniger als einer Woche geschwitzt und z.T. unter der Schwüle gelitten haben.
Hatten wir am vergangenen Sonntag noch Temperaturen von über 30°C, so haben wir heute als Spitzentemperaturen nur noch 17°C. Ein echtes Erkältungswetter, wie ich an meiner jüngsten Tochter merke.


Für gestern hatte ich es meiner Jüngsten bereits versprochen und aus diesem Grund heute gleich vor dem Frühstück nachgeholt: Kuchen backen! Ich hatte meinen Spaß, weil ich noch einmal meine Lieblingsbackform benutzen konnte, die Kleine hatte ihren Spaß, weil sie die Eier in die Schüssel schlagen konnte und alle hatten ihren Nutzen, weil der Kuchen eine Stunde später das Frühstück ausmachte.
Zwar ist die Form gleich geblieben, doch der Kuchen ist anders: Statt Zitronenkuchen der letzten Woche, gibt es heute Schokoladenkuchen



Nach dem Aufräumen habe ich mich endlich an die Nähmaschine gesetzt, um ein "Auftragskleid" fertig zu nähen. Es ist ein Kleid nach dem Schnitt von Schnabelinas Kapuzenkleid, und ich bin nach der Fertigstellung recht zufrieden. Der Stoff ist ein Zufallsfund gewesen und der grüne Kontraststoff, den sich die Kundin dazu ausgesucht hat, ist ein Jersey vom Stoffmarkt. Das Nähen zum Verkauf ist für mich noch immer recht spannend und aufregend, somit war ich froh, dass das Kleid ohne Pannen fertiggestellt werden konnte. Okay, meine Covermaschine, diese Diva, hat mal wieder ein wenig herumgezickt, aber nachdem ich an einen Button aus passendem Stoff ein Etikett mit meinem Stempel am Kleid befestigen konnte, habe ich mich doch gefreut!



Bei der Entspannung am Computer habe ich einen recht interessanten Artikel gefunden, in welchem einige Fragen die Flüchtlinge betreffend beantwortet werden. Ich fand den Artikel aus dem Grund so interessant, weil er mir Antworten in die Hand gibt, wenn ich einmal wieder unfreiwillig ein unerfreuliches Gespräch mit anhören muss.





Dann machte ich mich an eine ebenfalls lang liegen gebliebene Verpflichtung: Ich füllte mit meiner kleinsten Tochter das Freundebuch einer Kindergartenfreundin aus. Ich weiß nicht, woran es liegt, ich selbst mochte früher schon nicht in Poesiealben schreiben (wobei ich natürlich selbst eins hatte) und heute mag ich nicht in Freundebücher schreiben. Okay, vielleicht bekomme ich für meine Unlust mildernde Umstände, immerhin ist dies jetzt das dritte Kind, für das ich in Freundebücher schreiben muss. Wobei dieses Buch sogar einmal eine schöne Ausnahme bildete, da die Kleinen schon sehr viel selbst mitgestalten können.




Dann nähte ich den bereits versprochenen Pullover - eine MaLotty - für meine älteste Tochter, den ich ihr schon hier versprochen hatte. Ich finde den Stoff für diesen Schnitt sehr, sehr schön. Schade, dass der Sommer vorbei ruft, denn der Stoff ruft nach Sonne, Strand und Meer.




Es kommt zwar hier zum Schluss, es ist jedoch meine "Zwischendurch-Beschäftigung" während des ganzen Tages gewesen: Immer, wenn ich zur aktuellen Sache gerade keine Lust mehr hatte, habe ich mir eine Strickauszeit genommen und mich eine weitere Reihe im Muster vorgekämpft. Da der Pullover in Runden gestrickt wird, habe ich inzwischen knapp 300 Maschen auf den Nadeln - da kann eine Reihe schon mal ein wenig dauern.



Das waren meine 7 Sachen am ersten Sonntag im September. Und wie immer verlinke ich den Siebensachensonntag bei Anita von Grinsestern, die jeden Sonntag die Sieben Sachen sammelt, für die man seine Hände gebraucht hat - egal, ob es 5 Minuten oder 5 Stunden gedauert hat.

Donnerstag, 3. September 2015

Spontaner Rums

Eigentlich

hatte ich heute schon für mich mit RUMS abgeschlossen. Keine Zeit, keine Kleidung, keine Fotografen, also: kein RUMS. Glücklich war ich damit nicht. Und dann fielen mir die Decke und die Kissen ein, die ich gemacht habe. 

Es ist zwar schon eine Zeit her, doch ich denke, damit begehe ich keinen RUMS-Regelverstoß. Und da dem Rest der Familie das Aussehen von Decken und Kissen nicht so überaus wichtig ist (Hauptsache, die Decke hält warm und die Kissen sind weich), kann ich mit Fug und Recht behaupten, die Kissen und die Decke alleine für mich gemacht zu haben.



Die Decke habe ich mit der Karisma von Drops gehäkelt. Bei der Decke habe ich die Erkenntnis gewonnen, dass derartige Projekte nichts für mich sind. Auf Dauer nämlich wurde mir die Häkelei eintönig und ich fand es allein schon vom Gewicht her sehr anstrengend, bei wachsender Decke mit Spaß weiterhäkeln zu können. Darum ist die Decke auch wesentlich kleiner geworden, als ursprünglich beabsichtigt. Den anderen gegenüber gebe ich das natürlich nicht zu. Wenn die sich beschweren, die Decke sei zu klein, behaupte ich, das hätte ich genau so haben wollen.





Beide Kissen habe ich ganz einfach mit einem Hotelverschluss genäht. Da ich die Kissenhülle ebenfalls etwas knapp genäht habe (Quatsch, die Füllkissen sind einfach zu groß), platzt dieser jedoch schnell auf, sodass ich beide Rückseiten noch zusätzlich mit Kamsnaps verschlossen habe.

Das graue Kissen habe ich mit einer Stickdatei bestickt, die in meiner Stickmaschine integriert ist. Es ist vielleicht nicht so gut zu erkennen, doch es ist eine Rose im Kreuzstich, und ich finde Kreuzstich so herrlich nostalgisch. 

Das geblümte Kissen ist aus einem Stoffrest, der von einer genähten Scannerhülle stammt. 








So sieht also mein heutiger RUMS aus. Kurz, knapp und unspektakulär. Wenn allerdings in einer Wohnung in jedem Raum Fenster lackiert werden, und zwar seit Dienstag jeden Tag von 8.00 bis 20.00 Uhr (und das dann noch bis Samstag so weitergehen soll), dann fehlt zumindest mir die Lust und Muße, über ein selbstgenähtes Kleidungsstück nachzudenken. Was natürlich sehr, sehr schade ist. So freue ich mich also stattdessen auf das nächste RUMS... Und dann - so hoffe ich zumindest - auch mit besseren Fotos. Diese sind eben nur ganz spontan entstanden, ohne Licht und Zeit zum dekorativeren Drapieren.

Nachsatz: Da die RUMS-Beiträge nun einmal auf meinem Blog die meistgelesenen Beiträge sind, möchte ich - auch wenn es nicht für mich ist - auf die tolle Aktion #BloggerFuerFluechtlinge hinweisen. Vielen Dank für Euer Engagement und die Idee!

Mittwoch, 2. September 2015

#bloggerfuerfluechtlinge

Was mich bewegt


ist, wie wohl die meisten in Deutschland, das Flüchtlingsdrama, das sich zur Zeit hier abspielt. Und ich muss zugeben, neben all der entsetzten Fassungslosigkeit, bin ich auch oft zu Tränen gerührt.

In unserem Bezirk - einem relativ ruhigen Bezirk ganz weit weg davon, ein Szenebezirk zu sein oder sein zu wollen - ist Anfang August eine Notunterkunft errichtet worden. Die Berliner hatten 3 Tage  vor dem Einzug die Möglichkeit, sich bei einer Bürgerversammlung zu informieren, was sicherlich nicht optimal war. Viele schienen sich "übergangen" zu fühlen, als hätten sie vorher gefragt werden müssen. Und wie es ja so oft ist: es ist das Fremde, was Angst macht.

Als ich vier Tage vor dem Bezug der Notunterkunft in einem kleinen Zeitungsladen als unbeabsichtigte Zuhörerin ein Gespräch "belauschte", in dem der Ladeninhaber einen anderen Kunden über die zu erwartenden Flüchtlinge informierte, klang das in etwa so:

Ladeninhaber (LI) in entrüstetem Ton: "Schon gehört, was hier passieren soll?"
Kunde (K): "Nee."
LI: "wir bekommen Asylanten!"
K: "Aha..."
LI: "Dann ist's mit der Ruhe vorbei!"
K: "?"
LI: "Na, das kennt man doch. Fragen'Se mal bei Kaisers, die kennen den Ärger. Und die klauen. Alles. Und die Frauen..."
K:"?"
LI: "Na, die kämmen sich da mit den Bürsten von Kaisers die Haare. Und ihren Kindern auch. Und hängen die Bürsten wieder zurück. Und wir kaufen die. Ist doch eklig. Und die haben es hier so gut. Die kriegen hier doch alles. Viel Geld, Kleidung, Essen und können umsonst wohnen. Denen geht's zu gut..."
K: "Na, die wohnen mit mehreren Leuten in 'nem ganz kleinen Zimmer ohne Platz für sich zu haben..."
LI: "Das haben UNSERE Obdachlose auch nicht. Und das sind Deutsche. Und die kommen und werden versorgt."
K: "Naaa jaaa ..."


Dieses Gespräch habe ich Anfang August ungewollt mithören dürfen, und ich ärgere mich jeden Tag, dass ich nichts gesagt habe. Warum nicht? Dachte ich wirklich, dass mich das nichts angeht? Ich mich nicht einmischen darf?

Nach diesem Gespräch befürchtete ich ganz viele Ressentiments den neuen Bewohnern gegenüber. Doch ganz offensichtlich ist das Gegenteil der Fall. Es gibt Facebook-Gruppen und viele Initiativen, die Projekte durchführen, dafür ehrenamtliche Helfer akquirieren und organisieren, die mit großartigen Ideen versuchen, den Bewohnern auch mit alltäglichen Dingen das Leben schöner zu machen und ihnen das Gefühl zu geben, endlich "angekommen" zu sein.

Zum Glück ist es nicht nur in unserem Bezirk so, auch viele andere Bezirke helfen auf diese Weise und tauschen sich untereinander aus. Die Kommunikation, die doch sonst so schwer zu sein scheint, klappt bei der ehrenamtlichen Hilfe. Und aus welchem Grund? Vermutlich, weil alle an einem Strang ziehen. Alle Helfer sehen die Notwendigkeit zu helfen, es entwickelt sich ein wunderbares Wir-Gefühl. Wir helfen, wir heißen die Ankommenden willkommen, zeigen Ihnen, dass sie willkommen sind. Wir helfen, wir tun etwas, wir unterstützen da, wo es die offiziellen Stellen aus unterschiedlichsten Gründen nicht können.

2005 hieß es"Wir sind Papst", 2010 "wir sind Grand Prix-Sieger" und -yeah- nach dem "Sommermärchen" von 2006, wo "wir" doch so wunderbar Fußball gespielt haben und "wir" dann Dritter wurden, heißt es 2014 auch endlich: "Wir sind Weltmeister". Was wurde gejubelt und gefeiert, es hat Spaß gemacht, so viele fröhliche Menschen zusammen auf der Straße zu sehen und doch weiß ich: dieses "Wir"-Gefühl habe ich keine Sekunde so ganz wirklich empfunden, schließlich hatte ich nichts, aber auch gar nichts dazu beigetragen.

Das ist jetzt anders.  Das Wir ist ein ganz neues Gefühl, ein Gefühl, dass mich dieses Wir auch wirklich etwas angeht, denn ich ganz persönlich habe die Möglichkeit, Teil von der Gemeinschaft, von dem "Wir" zu sein, Teil derer, die helfen und Mitgefühl empfinden. 

Und das ist etwas, was mich bewegt, oft zu Tränen rührt und auch, bei allem Schrecken eben, auch glücklich macht. Nämlich die Erkenntnis, dass die Menschen (okay, die meisten Menschen) eben doch gut sind. Und diese Erkenntnis ist verdammt viel wert.

Nachsatz vom 03.09.15
Ich möchte hier nicht den Eindruck vermitteln, dass die Flüchtlingssituation ja gar nicht so schlimm ist. Natürlich habe auch ich die schrecklichen Bilder vor Augen, die um die Welt gehen, auch ich fühle mich ohnmächtig angesichts der quälenden Nöte der Flüchtlinge, und auch ich habe, wie viele, viele andere Helfer das Gefühl, dass meine Hilfe lediglich ein Tropfen auf dem heißen Stein ist, der verdampft, kaum dass er gelandet ist. Doch die Sichtweise, die ich oben geschildert habe, die möchte ich nicht in Vergessenheit geraten lassen. Denn das ist das, was mir zumindest Mut macht und mir Antrieb ist, zu helfen. Auch wenn die Hilfe gering ist. Denn wie sagte man mir gestern in der Notunterkunft, als ich nicht so lange bleiben konnte, wie es sicherlich immer notwendig gewesen wäre: "Jede einzelne Minute, die jemand hilft, bringt uns weiter."