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Sonntag, 9. August 2015

Ein sonniger Sonntag

7 Sachen Sonntag

Nach nahezu zweiwöchiger Abwesenheit kann ich heute endlich einmal beim 7 Sachensonntag mitmachen.

Nach 11 Tagen Schottland bei Regen und Höchstwerten von 16°C gibt es nur zwei Möglichkeiten, auf das Wetter zu reagieren, das uns bei unserer Ankunft in Berlin erwartete: entweder man ist entsetzt und bekommt beim bloßen Gedanken an erwartete Temperaturen von 38°C schon Hitzewallungen oder man steigert sich total euphorisch in die Vorfreude rein, endlich, endlich, endlich nicht mehr frieren zu müssen. Dies war meine Rekation, denn so wunderschön ich Schottland finde und so gerne ich dort leben würde - über Sonne und Hitze freue ich mich immer wieder. 

Und so nutzte ich bereits am Freitag Petrus Zuvorkommenheit und zog für das Wochenende in den Garten. Unter der stets einsatzbereiten Gartendusche, die jeden fast mehr abkühlt als man ertragen kann (bei dem Wasser handelt es sich nämlich um Grundwasser, welches naturbedingt seeeehr kalt ist), konnte ich die Hitze sehr gut vertragen. 

Und so kam es, dass ich nach einer relativ kurzen Nacht heute, zusammen mit meinen beiden Töchtern, im Garten aufwachte. 
Da ich gestern bis spät in die Nacht Besuch von einer lieben Freundin hatte, stand als erstes das Geschirrspülen an...


... denn sonst hätte ich das zweite Bild nicht entstehen lassen können: Geschirrspülen, um Tassen für den morgens dringend erforderlichen Kaffee zu haben. In unserem Garten geht es sehr einfach und recht improvisiert zu. Ich spüle im Gras knieend mit kaltem Wasser. Alles, was fettig oder zu ekelig ist, muss auf die häusliche Spülmaschine warten - Kaffeetassen und Gläser müssen so sauber werden.



So konnte ich dann endlich lesend (und noch ein wenig fröstelnd, immerhin waren es erst 19°C) den ersten Kaffee am Morgen genießen.




So gestärkt machte ich mich recht bald an das „Zubereiten“ des Frühstücks, was aufgrund der Gegebenheiten immer recht schnell geht.




Bevor es dazu zu heiß wurde, bin ich mit den beiden Mädchen spazieren gegangen. Der Spaziergang führte uns auf Wunsch der größeren Tochter auf eine wunderschöne Wiese, die uns sofort das Gefühl gibt, uns in Dänemarks Norden zu befinden. Und mit ein wenig Einbildung riecht es dort sogar ganz genau so. Es ist eine wunderschöne Stelle, an der man nichts sieht außer Natur und nichts hört außer dem Rauschen der Blätter. Leider hatten wir beide keinen Fotoapparat mit, so dass das nachfolgende Foto stellvertretend für den Spaziergang stehen muss. Diese leeren Schneckenhäuser sammelten die Mädchen an einer Stelle auf dieser Wiese, an der Dutzende dieser weißen Naturschönheiten lagen. Meine mittlere Tochter stellte fest, es sähe dort aus, wie auf einem Schneckenfriedhof. Stimmt, irgendwie wirkte es sehr unnatürlich, aber auch nicht so, als hätte jemand die Schnecken erst gesammelt und dann dort hingeschmissen. Sehr merkwürdig...




Zurück im Garten machte ich mich an die von mir nicht sehr geliebte Arbeit des Unkrautjätens. So ungeliebt sie ist, so dringend erforderlich ist sie in meinem Beet. Wenn alle anderen Pflanzen, vertrocknet oder verfault sind - je nach Wetterlage - „mein“ Giersch lebt. Und er teilt sich in friedlicher Koexistenz das Beet mit Massen an Wilderdbeeren. Gegen Wilderdbeeren habe ich an und für sich nichts, allerdings sind es inzwischen doch zu viele in meinem kleinen Beet. Der Giersch hingegen macht mich WAHNSINNIG. Wenn jemand einen guten Tipp hat, wie man erfolgreich gegen dieses Mistzeug vorgehen kann - immer her damit. Nur sollte es giftfrei sein. Erstens ist mein Garten in einem Trinkwassergebiet, zweitens mag ich kein Gift dort einsetzen, wo meine kleine Tochter rumläuft und drittens hätte ich immer die Sorge, zuviel kleine und größere Lebewesen mit dem Gift zu belasten (die Reihenfolge meiner Gründe kann gerne geändert werden). Für Hausmittel aller Art bin ich sehr, sehr dankbar.










Als ich am Freitag einkaufen war, fiel mein Blick auf ein Spiel meiner Kindheit, das für mich - und vermutlich für sehr viele, die in den 70er Jahren Kinder waren - untrennbar mit den Campingurlauben mit meiner Familie verbunden ist. In den 90er Jahren (glaube ich zumindest) kam die trendigere Version dieses Kinderspiels nun für Erwachsene nach Deutschland. Nahezu jeder, den ich kannte, verabredete sich an sonnigen Tagen auf dafür eigens angelegten Bahnen zum Boule-Spiel. Ein bisschen kam mir das vor wie „Des Kaisers neue Kleider“. Ein Spiel, mit dem Generationen von Kindern gespielt hatten, wurde nun plötzlich die neue Trend-Sportart. Okay, ja, ich weiß, die Kugeln sind größer, schwerer und in Frankreich spielen die Menschen dort Boule seit Menschengedenken.

Ich habe nicht Boule gespielt. Es steckte ganz gewiss keine Überzeugung dahinter, es hat mir nur einfach keinen Spaß gemacht. Doch am Freitag nun also entdeckte ich das klassische alte Bocciaspiel in seinen klassischen Farben. Nicht kunstvoll verpackt in einer schmucken, massiven Holzkiste, sondern einfach und praktisch in einem Kunststoffgestell. Und, oh Wunder, das Kindheitsgefühl stellte sich in dem Moment ein, in dem ich die kleine Kugel warf und meine Töchter und ich versuchten, ihr mit unseren Kugeln so nahe wie möglich zu kommen. Ich nahm, wie schon als kleines Mädchen, die roten Kugeln und verlierte, wie schon als kleines Mädchen, fast immer. Auch heute haben wir die Kugeln herausgeholt und auch heute habe ich von fünf Spielen vier mal haushoch verloren.
Tja, manche Dingen ändern sich scheinbar nie... und Spaß gemacht hat es auch noch.






Und schließlich, nach einem ruhigen, entspannten Sonnentag, geht es mit dem Auto nach Hause, wo wir von der restlichen Familie am heimischen Grill erwartet werden. Bei so schönen Aussichten kann ich die Hitze im Auto und die heißen Sicherheitsgurte  sehr gut ertragen. Was war und ist das doch für ein schöner Sonntag heute!



Donnerstag, 6. August 2015

Rock und Top

trage ich gar nicht so oft.

Der Rock ist die Erwachsenenversion von Schnabelinas Röckli, das Top ist das Tank-Top von Ki-ba-doo

Die Stoffe sind beides wahre Schnäppchen vom Freitagsmarkt am Maybachufer und sehr angenehm zu tragen.


Beim Betrachten der Fotos fällt mir auf, dass die Fotografin, meine älteste Tochter nämlich, einen extremen Hang dazu hat, meine Füße abzuschneiden. Vielleicht hätte ich ihr das noch sagen sollen. Nun denn, beim nächsten Mal hat mein Mann vermutlich die Fotos gemacht, und er achtet darauf - hoffe ich zumindest.

Statt vieler Worte - die Hitze schlägt mir vielleicht aufs Sprachzentrum - gibt es heute mehr Bilder. 











Und wie jede Woche am Donnerstag verlinke ich auch heute wieder bei RUMS.

Sonntag, 2. August 2015

Das Stricken und ich - Teil 2

Wie ich hier bereits schrieb, entdeckte ich mit dem Garnstudio DROPS unddem entsprechenden Online-Shop Lanade mein persönliches Wollparadies. Ganz neue Möglichkeiten eröffneten sich mir, und ich begann verstärkt, auch Kleidung für mich zu stricken. Das bekam natürlich auch mein Mann mit, der sich daraufhin vor drei Jahren einen  von mir gestrickten Pullover zu Weihnachten wünschte. Ich strickte wie ein Weltmeister, stellte mir selbst eine Falle, indem ich aus der eigentlichen Jacke einen Pullover mit Reißverschluss im Kragen strickte. Hier war mir zum Glück die freundliche Inhaberin von Lanade eine große Hilfe.
Die Überraschung unter dem Weihnachtsbaum war weniger die Tatsache, dass es einen Pullover gibt, sondern ob ich es geschafft hatte, ihn fertigzustellen. Denn die Zeit war knapp. Mein Mann äußerte den Wunsch recht kurzfristig, dann war die Wolle nicht am Lager und dann hatte ich in einer falschen Größe begonnen zu stricken. Um fertig zu werden, stand ich in der gesamten Vorweihnachtszeit immer spätestens gegen 5.00 Uhr und strickte dann, bis ich die ersten Kinder für die Schule wecken musste. Schön war, dass um die Zeit auf Kabel eins immer Doppelfolgen von "Unsere kleine Farm" kamen - nach dieser Serie war ich als Kind süchtig und freute mich sehr, sie nun gucken zu können. Für mich hatte diese Serie auch nach all' den Jahren nichts an Reiz verloren, und ich freue mich schon, wenn meine Kleinste sie gucken kann.



Der Pullover war sogar eine Woche vor Weihnachten fertig, meinem Mann gegenüber jedoch behauptete ich, dass ich etwas mehr als die Hälfte gestrickt hätte - etwas Weihnachtsüberraschung musste doch sein.






Ach, die vielen, vielen unfertigenProjekte (von Insidern auch UFOs genannt) dürfen an dieser Stelle natürlich nicht fehlen. Das waren meist Pullover für mich, die am zweiten Ärmel scheiterten (keine Lust mehr gehabt) oder an fehlender Wolle (letztes Knäuel dieser Farbpartie) oder an schlechter Passform.

Ich versuchte mich recht erfolglos am Verstricken von Filzwolle. Die Hausschuhe, die ich meiner kleinen Tochter strickte, sahen süß aus mit ihrer Marienkäferform, hatten jedoch unter der Sohle einen Knubbel, was das ohnehin recht wackelige Laufen einer Andertalbjährigen noch unsicherer machte. Zu vielen überflüssig gekauften Wollknäueln kam also auch noch Latexmilch für die rutschfeste Sohle hinzu. Eine Tasche hatte ich mir gefilzstrickt (heißt das so?). Die wurde so lächerlich klein, dass ich sie in einer anderen Farbe noch einmal für meine kleine Tochter strickte. Meine Tasche fristet immer noch ihr trauriges Dasein in einer Schublade. Warum ich sie nicht wegwerfe? Sie haben keine Ahnung, wie langweilig das Stricken war - schließlich muss man einen wirklich großen Lappen stricken, um hinterher so ein kleines Teilchen herauszubekommen - das konnte ich nicht einfach entsorgen. Was wirklich schön geworden ist, sind kleine Handschuhe für die Jüngste. Die trug sie sehr gerne, und die hielten auch sehr warm. Von diesem Erfolgserlebnis motiviert bestellte ich Wolle für weitere, größere Paare und --- stagnierte. Ich hatte wohl im Motivationsübschwang vergessen, wie ungern ich mit einem Nadelspiel stricke. Anders, besser ausgedrückt: ich HASSE Nadelspiele. Bis zum Daumenloch des ersten, des rechten Handschuhs bin ich gekommen. Auch dieses Ufo wartet auf die Vollendung, die nie kommen wird, denn Töchterchen ist zu groß geworden.

Mit zunehmender Nähleidenschaft ließ das Stricken immer mehr nach. Richtig im Strickflash war ich im vergangenen Herbst, als ich mir überlegte, meinem Mann einen Pullover im Faire Isle-Stil zu stricken. Das war ein Projekt, das mich herausforderte. Doch diesmal hatte ich früh genug begonnen, um ganz klammheimlich und ohne Wissen des Mannes zu stricken. 7 Staffeln Grey's Anatom später war er fertig, yeah. 






Montag, 27. Juli 2015

Die Stadt der Fab Four

werde ich zumindest kurz besuchen, bevor es weiter nach Schottland geht.

In meiner Jugend hätte ich sonst etwas dafür gegeben, einmal die Stadt meiner Stars zu erleben, wenn ich doch auch zu jung war, sie noch als Band vereint erleben zu können. Als ich begann, die Beatles zu verehrten, ist kurz zuvor John Lennon erschossen worden. 
Ich bin schon einmal gespannt, ob man am Flughafen von Liverpool mit Beatles-"Devotionalien" begrüßt wird, immerhin, so habe ich erst erfahren, ist der Flughafen nach John Lennon benannt worden.







Um für unseren Besuch in Schottland angemessen gekleidet sein zu können, habe ich für die Kleine ein Kleid im Schottenkaro genäht. Ob ich wohl den Tartan eines Clans erwischt habe?





Das Kleid ist das Kapuzenkleid von Schnabelina, nur nicht aus Jersey, sondern aus Baumwolle ohne Kapuze genäht. Das war wesentlich einfacher, als gedacht. Hinten ist es mit einem Reißverschluss und einer Schleife, genäht aus Schrägband, zu schließen. Vorne habe ich zwei Scotchterrier, bestellt in einem sehr netten Dawanda-Shop, gestickt.

Das Vorderteil ist komplett gefüttert, sodass das Einnähen des Reißverschlusses eine recht einfache Sache war, die dennoch ordentlich aussieht. Sicherlich hätte ich die offenen Kanten des Vorderteils auch mit Schrägband einfassen können, um es nicht füttern zu müssen, doch wirkt es auf mich so ordentlicher. Dass es so auch wärmer ist, ist für Schottland natürlich ein angenehmer Nebeneffekt.

Trotz meiner Bemühungen ist es mir nicht gelungen einen einheitlichen Abschluss am oberen Ende des Reißverschlusses hinzubekommen. Aus diesem Grund wird diese Stelle von einer roten Schleife versteckt.






Dazu habe ich eine Strickjacke aus beige-grauem Strickstoff von Alles für Selbermacher genäht. Der Stoff ist sehr leicht, luftig und weich, kurz, er fühlt sich einfach kuschelig und angenehm auf der Haut an. Dieser Tatsache ist es sicherlich auch geschuldet, dass meine Tochter jammerte, als ich androhte, das noch unvollendete, doch bereits sich nahe an der Fertigstellung befindliche Kleidungsstück der Mülltonne übergeben zu wollen. Sie wollte nämlich unbedingt die Strickjacke aus diesem weichen Stoff, ich jedoch hatte ein vollkommen falsches Schnittmuster gewählt.

Es war ein Cardigan, den ich mir so schön vorgestellt hatte, und dessen Schnittmuster ich zur Vorlage nahm. Da ich von den beiden vorhergegangenen Cardigans bereits wusste, dass der Halsausschnitt für meinen Geschmack viiieeel zu groß war, verkleinerte ich ihn diesmal beim Zuschneiden um einiges. Doch ganz offensichtlich nicht genug. Der Halsausschnitt war noch immer viel zu groß, da half auch kein Halsbündchen, sondern verschlechterte die ganze Angelegenheit nur noch. Ich behalf mir, indem ich ein Stück aus gleichem Stoff in den Halsausschnitt setzte, was zwar bei genauerer Betrachtung sehr komisch aussieht, da sich leider die Naht kräuselt, doch das Problem ein wenig erträglicher macht. Zu groß war er allerdings immer noch. Ich verkürzte die Schulternähte zweimal (bei zweiten Mal, als das Bündchen schon dran war. Sieht sehr stümperhaft aus, ist aber nicht zu ändern, denn hätte ich das Bündchen ein weiteres Mal abgetrennt, wäre es doch Ausfransen noch kleiner und damit nutzlos geworden) und irgendwann arrangierte ich mich mit dem noch immer zu großem Halsausschnitt. 

Beim Ausmessen der Ärmel ist mir offensichtlich ein weiterer Fehler unterlaufen. Nun sind es Dreiviertel-Ärmel, und die gesamte Jacke erinnert mich in positiven Momenten an die Mäntel von Audrey Hepburn mit weitem Kragen und Dreiviertel-Ärmeln. Müsste ich jetzt, um stilecht zu sein, noch Lederhandschuhe und Zigarettenspitze für das Kind besorgen?









Ein Bild der richtigen Jacke wird auf jeden Fall nachgereicht, dazu reichte heute weder die Zeit noch war das Kind dazu aufgelegt.

Sonntag, 26. Juli 2015

Das Stricken und ich - Teil 1

Bevor ich anfing, zu nähen, habe ich gestrickt. Das heißt, das war nun auch nicht immer so. Gelernt habe ich es mit ca. 8 Jahren von der Mutter meiner Freundin. Kraus rechts, das ganze geradeaus aus beigefarbener Wolle. Mein Strickwerk durfte ich mit nach Hause nehmen, wo ich das ganze Wochenende damit verbrachte, zu stricken. 
Fertig war ich mit Aufbrauchen der Wolle. Da hatte ich nun mein kleines Rechteck mit den ungefähren Maßen von ca 10 X 20 cm. Ich war stolz wie Bolle. Nur---was fängt man mit so einem Stück an? Meine Mutter hatte die Idee, das Rechteck der Breite nach zusammen- und eine Kordel anzunähen und so daraus einen Muff für meine Puppen zu machen. Dieser Muff begleitete meine Puppe Marion die gesamte Zeit hindurch, in der ich noch mit Puppen spielte. Sie trug den Muff treu, brav und mit Fassung.

Wer nun meint, meine Strickleidenschaft sei geboren gewesen, der irrt. Und zwar total. Ich fand Stricken toll. Doch kraus rechts macht auf Dauer nicht glücklich und links stricken beherrschte ich nicht. Für einen Schal, der mir wirklich hätte gefallen können, reichte die Ausdauer nicht (man bedenke, ich war 8), Puppenkleidung fiel ohnehin aus - zu kompliziert - und so landeten die Stricknadeln im Nirwana, bis der Handarbeitsunterricht (ich berichtete hier bereits davon) mich zwang, sie wieder hervorzuholen. Wie bereits bei der genähten Weste war meine Motivation gleich null, denn wir sollten Puppenkleidung für eine von uns gebastelte Puppe mit Styroporkopf stricken. Furchtbar. Zum Glück hatte ich eine gute Freundin, die nicht nur gerne strickte, sondern auch hilfsbereit war und diese Aufgabe übernahm.

Im Laufe der Zeit entstanden viele Pullover mit zu engen Ärmeln (Strickmuster konnte ich nicht lesen und überhaupt verließ mich bei den Ärmeln die Lust, sodass ich an Maschenzunahmen sparte, um schneller davon abzukommen) und Schals, die sich an den Rändern kräuselten, weil ich nun zu kraus rechts zwar glatt rechts, aber weiter nichts gelernt hatte. Das schien es mit mir und dem Stricken gewesen zu sein. Beharrlich widersetzte ich mich dem Strickzwang der 80er Jahre, als nicht nur Männer strickten, sondern es auch ganz legitim schien, im Schulunterricht zu stricken. 

Und dann wurde ich 1997 schwanger. Und mit dem Einsetzen des Nestbautriebs, den ich aufgrund der Gegebenheiten nicht ausleben konnte, setzte die Lust auf Wolle und Stricknadeln ein. Ich strickte eine Mütze und eine Jacke in blau-weiß-geringelt. (Ich glaube, meine Tochter hat das nie getragen, wenn ich es mir so recht überlege). 

Und dann - passierte wieder Ewigkeiten nichts, bis ich durch Zufall, meine erste Tochter war ca. 1 Jahr alt,  in Kiel, dort wohnten wir inzwischen, an einem Wollgeschäft vorbeikam. Aus welchem Grund auch immer ich es betrat, es war die richtige Eingebung. Es war ein Wollgeschäft im alten Stil, mit einer Frau hinter dem Tresen, die aussah, als hätte sie schon mehrere hunderte Knäuel verstrickt. Und die gab mir etwas, was mir zuvor niemand gegeben hatte: Ein einfaches, von der Ladeninhaberin selbst geschriebenes Strickmuster für eine Kinderjacke im Perlmuster mit Zopf und dazu die richtige Wolle. Nebenbei erklärte sie mir in der typischen Art der Norddeutschen (bloß kein überflüssiges Geschnacke), wie man Zöpfe strickt, drückte mir die entsprechenden Nadeln in die Hand und schickte mich raus. Sie wolle jetzt endlich mal Feierabend machen, ließ sie mich wissen, wenn ich Probleme hätte, müsse ich eben ein anderes Mal wiederkommen. 

Es war toll. Perlmuster konnte ich (rechts und links hatte ich ja gelernt) und Zöpfe waren auch einfach und in der Wirkung für mich ganz große Klasse. Ich strickte und strickte und hörte nicht mehr auf. Als die Jacke fertig war, sogar mit Kapuze, wagte ich mich in eben jenem Geschäft an einen Kinderpulli mit Einstrickmuster. Auf meine Frage: "Ob ich das wohl kann?" erhielt ich die ernüchternde und zugleich aufmunternde Antwort: "Was daran wohl schwer sein soll? Zählen werden Se ja wohl können, oder? Und mehr brauchen Se nicht. Wenn's nicht klappt, kommen Se wieder. " Ich musste nicht wiederkommen, es klappte. Und spätestens jetzt war meine Leidenschaft geboren. Es war aber auch toll, denn Kinderkleidung hat definitiv den Vorteil, schnell gestrickt zu sein.

Irgendwann wurde es ein wenig ruhiger mit der Strickleidenschaft. Wir zogen nach Berlin, ich wurde wieder schwanger und lernte, als ich im 8. Monat war, eine Freundin kennen, die für ihr Leben gerne strickte (und nähte, das allerdings erfuhr ich erst später). Sie zeigte mir mein erstes Wollgeschäft in Berlin (wesentlich jünger und hipper als mein altes Wollgeschäft in Kiel), und immer, wenn wir uns trafen - und wir trafen uns oft - strickten wir.


Diese Jacke nähte ich, als ich mit meiner mittleren Tochter in der 32 SSW war. 9 Jahre später trug meine jüngste Tochter sie.




Diesen Strickmantel habe ich im März 2002 nach einem Strickmuster der damals aktuellen Rebecca  gestrickt. Meine Tochter fand ihren "Hippiemantel" toll, allerdings war er durch die schlechte Verschlussmöglichkeit nur bedingt im Alltag einsatzfähig


Stricken bedeutete für mich Entspannung pur, zumindest, solange ich immer ein kleines Kind hatte, das ich bestricken konnte. Denn die Sachen, die ich mir gestrickt habe, mochte ich nie so gerne. Doch einmal strickte ich mir aus ganz dicker Naturwolle eine dicken, taillierten Pullover mit Bündchen mit Effektgarn, der mir wirklich gut gefiel und ganz warm war. Und weil er mir so gut gefiel und so warm war, sollte er mit auf eine Motorradtour. Doch leider öffnete sich bereits in der ersten Stunden der Motorradfahrt früh am Morgen einer der beiden Motorradkoffer und mein wollweißer Pullover landete mitten auf der A 10. Es war Frühling, wir wollten eine 4 tägige Motorradtour durch Polen machen, ich friere ständig, auch ohne auf einem Motorrad zu sitzen, kurz: ich brauchte den Pullover. Also flitzte ich auf die Autobahn (um die Uhrzeit war noch nicht viel los), klaubte meinen Pullover auf und freute mich. Leider waren in der Zwischenzeit bereits diverse Autos über meinen Pullover gefahren, der inzwischen auf der Autobahn lag und wie ein überfahrenes Schaf aussah. Doch trotz der vielen Reifenabdrücke auf dem Pullover trug ich ihn das ganze Wochenende. Danach übergab ich ihn mit einer gehörigen Portion Trauer der Mülltonne, denn die Flecken waren nicht mehr auszuwaschen. 

Als ich dann viele Jahre später mit meiner dritten Tochter schwanger wurde, begann ich - man ahnt es schon - wieder mit dem Stricken. Ich strickte zuallererst eine Art "Sack" für die Babyautoschale. So viel Geduld bringe ich selten für ein Projekt auf, doch ich habe es geschafft und wir haben diesen Sack sehr gerne genutzt. 




Darauf folgten diverse Projekte, eben wieder für kleine Kinder. Ganz viele dieser Kleidungsstücke sind gar nicht mehr da, doch von einigen konnte ich mich nicht trennen. 


Diese Jacke strickte ich nebst passender Mütze im Frühling 2010 nach einem Strickmuster in der Brigitte. Leider habe ich den Ausschnitt ein wenig zu weit gestrickt, sodass die Jacke nie 100 prozentig gut saß. Wie man sehen kann, war die Jacke war sehr auf Zuwachs gestrickt.



Dann entdeckte ich das Paradies für Stricksüchtige und Wollliebhaberinnen: DROPS. So viele kostenlose Schnittmuster, so tolle Wolle und ein Online-Stoffhandel, der die Originalwolle schnell verschickt und dabei noch so freundlich ist. 

Hier entdeckte ich z.B. das Strickmuster dieser Erdbeermütze, die ich schon haben wollte, als ich noch mit meiner Jüngsten schwanger war, aber nicht für möglich hielt, dass ich sie selbst stricken könnte.


Die Mütze mit passendem Pulli strickte ich im Herbst 2010. Beide Teile waren echte "Mitwachsobjekte". Auf besonderen Wunsch meines Mannes strickte ich zumindest die Mütze im vergangenen Frühling einige Nummern größer noch einmal.


Das Stricken erreichte für mich so eine neue Dimension. Doch davon berichte ich in meinem nächsten Post.

Donnerstag, 23. Juli 2015

Wenn die Sonne nicht kommt, so locke ich sie

zumindest versuche ich das mit diesem Kleid. 







Es ist eine Lucille von Farbenmix. Dieser Schnitt war einer der ersten, die ich für mich genäht habe. Es ist auch schon eine gewisse Zeit her, dass ich dieses Kleid genäht habe, da es aber immer nur für mich war und auch meins bleiben wird (denn esist glücklicherweise nicht der Stil meiner Töchter, die mir doch häufiger mal etwas aus meiner Garderobe abquatschen), denke ich, dass ich es zu RUMS bringen darf.




Der Stoff ist gelber Romanitjersey, wo ich ihn gekauft habe, weiß ich nicht mehr. Bestickt habe ich ihn mit den Vögeln aus dem Bauernreigen von Kunterbuntdesign.




Irgendwie habe ich immer, wenn ich das Kleid trage, das Gefühl, das irgendetwas fehlt (wenn ich mir die Designbeispiele anschaue, habe ich dieses Gefühl komischerweise nicht).




Aus diesem Grund habe ich bei dem Kleid (wie bei den anderen beiden, die ich schon nach diesem Schnittmuster genäht habe) einen Gürtel gebastelt und diesen mit einer roten Stoffblüte aus einem Jerseyrest aufgehübscht. So fühle ich mich gleich wohler.

Das Kleid hatte ich bei einer Konfirmation an, und es ist wirklich lustig zu sehen, wie auffällig dieses Kleid auf Fotos neben all' den dunkel gekleideten Gästen aussieht. 
Ich bin ja nicht allzu oft für knallige Farben, doch manchmal gefällt es mir eben. So auch bei diesem Kleid.





Und ich finde, es ist definitiv das Passende, für trübe Tage und Sonnensehnsucht.

Dienstag, 21. Juli 2015

Wie war meine Woche?

Hmmm, unspektakulär, kann man sagen.

Doch einige schöne Momente gab es schon.

Am Mittwoch beispielsweise begannen bei uns in Berlin die Schulferien. Ich mag die Zeit vor den Ferien und den letzten Schultag sehr. Natürlich findet jedes Kind die Zeit vor den Ferien, wenn sich Wandertage an Projektwochen anschließen, die Lehrer alles etwas lockerer angehen lassen und die Schüler das Gefühl einer relativen Narrenfreiheit haben, da die Zensurenkonferenz schon vorbei ist. Doch auch als Erwachsene mag ich die Zeit. Sie ist so entspannt, voll guter Laune und voller Vorfreude auf die schönste Zeit im Jahr (also für die meisten Schulkinder, meine ich. Meine schönste Zeit im Jahr ist und bleibt die Vor-Weihnachtszeit)

Der letzte Schultag also war bei uns in Berlin und brachte mir meine älteste Tochter nach Hause. Klar, Zeugnis vorzeigen ist natürlich Pflicht. 
Am Nachmittag bin ich mit meiner ältesten Tochter shoppen gegangen, und wir haben wirklich sehr, sehr schöne Sachen bekommen. Am Abend sind wir, also ich mit meinen drei Mädchen und dem Freund der Ältesten, in einem sehr netten Biergarten gleich bei uns in der Nachbarschaft essen gegangen. Bis auf einige wenige atmosphärische Störungen war es sehr schön, und ich habe es genossen, meine Kinder so entspannt um mich zu haben.

Am nächsten Tag, dem Donnerstag, bin ich mit meiner Mittleren einkaufen gegangen. Direkt, nachdem wir die Kleinste in die Kita gebracht haben, haben wir uns auf den Weg gemacht. Und auch jetzt haben wir wirklich viele schöne Sachen gefunden. Beide Tage waren für mich wirklich schön, ich freue mich immer so sehr, wenn sich die Kinder freuen. Das ist für mich - und vermutlich kennen alle Mütter / Väter das Gefühl - mindestens genau so schön, als wenn ich mir etwas gekauft hätte. Und weil der Tag so schön war und der Sommer seine Rückkehr anmeldete, bin ich diesmal mit der mittleren und der jüngsten Tochter in eben jenen Biergarten gegangen. Es war ein schöner Ausklang eines schönen Tages.

Am Freitag war ich mit meiner ältesten und meiner jüngsten Tochter bei einer Bekannten, die ich seit nunmehr 14 Jahren kenne und mit deren Tochter sich meine Älteste vor 5 Jahren angefreundet hat. Diese Bekannte hat vor 5 Monaten ein Baby, einen kleinen Jungen, bekommen, den wir uns endlich einmal angeschaut haben. Ach, Babies sind ja soo süß... Der Nachmittag war sehr schön, die kleineren Kinder tobten im Pool, während wir vier - meine Bekannte, ihre Tochter, meine Tochter und ich - die Sonne genossen haben. Ein schöner Nachmittag und fast eine Art Auszeit vom Alltag.

Das Wochenende war jetzt nicht so großartig, da meine kleine Tochter krank wurde. Da sie jedoch ein Kind ist, das Krankheiten sehr schnell wegsteckt, mache ich mir keine Sorgen, dass es ihr bald besser gehen wird.

So, diesmal gibt es keine Fotos und die Glücksmomente sammelt in dieser Woche Frau Hummel.